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DGfM wählt den Grünling (Tricholoma equestre) zum Pilz des Jahres 2021

 

Vom Marktpilz zum Giftpilz!

 

Der Grünling galt in Deutschland bis zur Jahr-tausendwende zu den schmackhaften und ergiebigen Speisepilzen, die sogar als Marktpilz vertrieben wurden. Bis im Jahre 2001 eine französische Studie über schwere Rhabdo-myolsefälle seinen guten Ruf zu Nichte machte. Zwischen 1992-2001 soll es bei mehreren Menschen nach häufigen und üppigen Pilzmahlzeiten dieses Pilzes über einen längeren Zeitraum zu Vergiftungserscheinungen gekommen sein, die teilweise tödlich endeten. Dieser Lamellenpilz soll vermutlich Rhabdomyolyse (Muskelschwäche) auslösen. Es kommt hierbei zur Auflösung der quer-gestreiften Muskelfasern, dabei wird das Protein Myoglobin freigesetzt, was zu akutem Nierenversagen führen kann. Eindeutig nachgewiesen ist das dennoch nicht. Seit 2018 liegen Studien vor, die die generelle Giftigkeit des Grünlings in Frage stellen. In machen osteuropäischen Länder wird er heute immer noch als Marktpilz angeboten.

 

In Deutschland wird er von der Gesellschaft für Mykologie (DGfM) als Giftpilz eingestuft und vom Verzehr wird dringend abgeraten. Er darf auch von den DGfM geprüften Pilzsachverständigen nicht mehr zum Verzehr freigegen werden. Auch vor dem Benutzen älterer Pilzbücher wird gewarnt. Im Laufe der Jahre ist man zu neuen Erkenntnissen gekommen, was den Speisewert verschiedenster Pilze betrifft. So kann es sein, dass ein lange geglaubter Speisepilz sich als Giftpilz entpuppt und andersrum. Nicht nur wegen des fraglichen Speisewertes, sondern auch wegen den rückläufigen Fundzahlen steht dieser Pilz mittlerweile unter der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und darf weder gesammelt noch seine Standorte beschädigt oder gar zerstört werden.

 

 

Grünling, ein Echter Ritterling

 

Der Lamellenpilz gehört zur Gattung der Ritterlinge und ist ein Mykorrhizapilz, was so viel heißt, dass er in Partnerschaft mit einem Baum lebt. Beim Grünling sind dies bevorzugt Nadelbaume wie z.B die Kiefer. Der Grünling bevorzugt die sandigeren Nadelwälder und wie viele Mykorrhizapilze ein nährstoffarmes Biotop, welches im Zuge der Landwirtschaft und Industrie immer seltener wird.

 

Der nach Mehl duftende Fruchtkörper an sich hat einen 5 und 15 Zentimeter breiten, gelbgrünlich bis bräunlichgrün gefärbten Hut, der mit schmierig anliegenden Schuppen besetzt ist. Auf der Unterseite befinden sich eng stehende, zitronengelb bis schwefelgelb getönte Lamellen, die am Stiel burggrabenförmig angewachsen sind, „daher der Name Ritterling“. Der grünliche bis bräunliche, oft knollige Stiel kann bis zu 10cm lang und 2,5cm dick werden.

 

Es gibt noch 2 weitere sehr ähnliche Grünlingsarten, den Kiefernwaldgrünling (Tricholoma auratum) und den Pappelgrünling (Tricholoma frondosae). Diese werden aber von den meisten Autoren nicht abgetrennt. Der Grünling oder auch Echter Ritterling genannt,  ist Pilz des Jahres 2021.

 

 

Text: T. Zupan / Foto: R. Kriegelstein


DGfM Pilz des Jahres 2020:

 

Gewöhnliche Stinkmorchel

(Phallus impudicus)

 

 

 

Aus einem kugeligen tennisballgroßen Hexenei sprießt die Gewöhnliche Stinkmorchel.

Das Hexenei enthält ein Gel als Wasserspeicher für den innenliegenden Pilz-Fruchtkörper.

Durch Osmose fließt das Wasser aus dem Gel in den Fruchtkörper hinein, die Hülse des Hexeneis reißt auf, und der Fruchtkörper streckt sich binnen Stunden um das 10- bis 15fache in die Höhe. Gleichzeitig reift die feuchtolivgrüne Sporenmasse außen an der Spitze des Fruchtkörpers und verströmt einen stark  aasartigen Geruch, welcher Insekten anlockt.

Die Sporenmasse wird von den Insekten vertilgt, die anschließend die Sporen mit ihrem Kot in der Gegend verteilen.

 

Aufgrund dieser Partnerschaft zwischen Pilzen und Insekten weist die DGfM auf mögliche Folgen für die Pilzpopulation durch das Insektensterben hin.

 

Stinkmorcheln sind Zersetzer und kommen von Frühsommer bis Spätherbst im Mischwald vor.

 

 

 

 

 

Text und Foto:  D. Hackett